| Rein
ästhetische Auseinandersetzung
Von
Michael Seyl
"Meine künstlerische Arbeit hat den
Bezug zur Realität verloren. Sie ist ästhetischer Prozeß
geworden. Was sie zeigt ist Form, möchte sich aber zugleich von ihr
lösen. Die Figuren wollen Zeichen sein, ohne zu benennen, was sie
sind. Ihre Intention bleibt verborgen." Mit diesen Worten beschreibt Mark
Owen sein Kunstwollen.
Der Künstler wurde im Jahre 1968
in Kusel geboren. Nach dem Abitur studierte Kunsterziehung und Geographie
an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Auf dem künstlerischen
Gebiet ist er in erster Linie in den Bereichen Holzbildhauerei und Bronzeplastik
tätig.
Mark Owen hat verschiedene Phasen durchlaufen:
Surrealistischen Anfängen folgten Abstraktionsversuche und die Auseinandersetzung
mit rein formalen Dingen. Zu Beginn seines Studiums hat er zum Beispiel
eine lebensgroße Doppelfigur aus einen Kirschbaumstamm geschlagen.
Die Figuren sind ineinander verschlungen und lassen sich rational nicht
auflösen. In dieser Arbeit wird schon deutlich, was er in neueren
Arbeiten thematisiert: die Beziehungen zwischen Objekten. Dabei handelt
es sich um eine rein ästhetische Auseinandersetzung mit erdachten
Formen und mit Formen, die während dem Arbeitsprozeß entstehen.
Ebenfalls aus einem Kirschbaumstamm ist das Werk "Vogel" gehauen. Die Tierfigur
ist stark stilisiert und erinnert nur noch entfernt an ein Naturvorbild.
Noch einen Schritt weiter geht Mark Owen bei einer unbetitelten Bronzeplastik:
Das Thema Vogel ist nur noch auf zwei Flügelformen reduziert.
An zwei Flügel erinnern auch die
beiden Gebilde, die Mark Owen zu einer "Kontrastive" zusammengeschweißt
hat. Die Flügelformen durchdringen sich dergestalt, daß die
offene Seite der einen nach oben weist, während die andere - um 90
Grad gedreht - nach unten gerichtet ist. Für den Künstler bildet
"das Streben nach der Erreichung jenes Zustandes, in dem Formales über
sich hinausgeht und im Imaginären ein Bezug zur Wirklichkeit möglich
wird" den Kern seiner derzeitigen künstlerischen Praxis. Bei der Arbeit
"Kontrastive" assoziiert man beispielsweise den Flug und den Absturz des
Ikarus. Mit Arbeiten wie diesen hat sich Mark Owen in starkem Maße
von der Abbildhaftigkeit gelöst. Selbst wenn man noch Bezüge
zur Realität herstellen kann, ist doch eines entscheidend: Das Werk
entsteht aus einem Formfindungsprozeß heraus, und letztendlich geht
es um die Qualitäten der Plastik: Wirkt sie dynamisch oder in sich
ruhend, offen oder geschlossen, raumgreifend oder eher konzentriert? Die
Plastik "Kontrastive" bietet solche Gegensatzpaare - der Titel sagt es
ja schon - zur vergleichenden Betrachtung an.
Aus: "Bildende Kunst im
Raum Kusel", Druckerei und Verlag Koch, Kusel 1994, S. 62f. (überarbeitete
Fassung) |