| Surreale
Traumwelt und Heimatlandschaft
Von Michael Seyl
"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust",
könnte Frieder Schneider mit Goethes Faust ausrufen. Der in Herschweiler-Pettersheim
lebende Künstler ist hin- und hergerissen zwischen der Darstellung
surrealer Traumwelten und heimatlicher Landschaften.
Frieder Schneider wurde im Jahre 1948
in Herschweiler-Pettersheim geboren. Nach einer Lehre als technischer Zeichner
absolvierte er ein Studium der Ingenieurwissenschaften. Als Maler ist der
Bauingenieur Autodidakt.
Neben Ölbildern in altmeisterlicher
Technik entstehen in erster Linie Aquarelle. Seine Werke sind gekennzeichnet
durch einen ausgesprochenen Detailreichtum. Christoph Berndt schreibt dazu:
"Der Betrachter mutmaßt, stellenweise sei gewiß eine Lupe nötig
gewesen. Er beteuert jedoch, der dreifache Null-Pinsel mit etwa zehn Härchen
und eine ruhige Linienführung seien ausreichend für die Sisyphusarbeit."
Einerseits beschäftigt sich
der Künstler mit Themen, die ihn innerlich berühren. So entstehen
Traumbilder mit sehr persönlichen und vor allem zeitkritischen Bezügen.
Als Beispiel läßt sich das Aquarell "Der Gestrige" anführen:
Zu sehen ist ein Mann, der von der Zeit träumt, als die Mehrheit der
Deutschen der Meinung war, sie müsse den Rest der Welt mit ihrem "Heil!"
beglücken. In seinen Gedanken läßt "Der Gestrige" Panzer
auffahren und Flugzeuggeschwader aufsteigen. Im Wind wehen die Reichs-
und Hakenkreuzfahne.
Mit Bildern wie diesen lenkt der
wache Künstler den Blick auf besorgniserregende politische Entwicklungen.
Gleiches gelingt ihm mit dem Werk "Skins - Dummheit statt Individualismus":
Teile eines Puzzles fügen sich nach und nach zu einem Bild zusammen.
Zu sehen sind drei "Skins", wovon einer "auf Hitler macht". Die Puzzlestücke
stehen stellvertretend für rechtsradikale Tendenzen in unserer Gesellschaft,
die sich in erschreckendem Maße zu einer Bewegung formieren. Das
Bild birgt eine Hoffnung: Ein Puzzle läßt sich wieder zerlegen!
In dem Tryptichon "Kausale Kette"
beschäftigt sich Frieder Schneider mit der fortschreitenden Zerstörung
der Umwelt. Eine weitere Arbeit ist bezeichnenderweise mit "Mutter Natur
am dürren Ast" betitelt.
Im Gegensatz zu den bisher genannten
Werken stehen Frieder Schneiders Landschaften. Hier ist sein Blick mehr
nach außen gerichtet. Von einer Anhöhe vor Matzenbach hat er
einen "Blick ins Glantal" festgehalten. Mit großer Liebe fürs
Detail ist das Bild von der Blumenwiese im Vordergrund bis zum Potzbergturm
im Hintergrund durchgearbeitet. Desweiteren finden sich Ortsansichten von
Herschweiler-Pettersheim, Langenbach und Krottelbach oder etwa ein Bauernhof
auf dem Sangerhof.
Friedrich Schneider arbeitet parallel
in beiden Stilrichtungen. Einerseits erscheint es ihm als Künstler
wichtig, Zeitkritik zu üben, und andererseits möchte er auf die
Schönheiten der Natur aufmerksam machen - solange es sie noch gibt...
Aus: "Bildende Kunst im
Raum Kusel", Druckerei und Verlag Koch, Kusel 1994, S. 72f.
Blick auf Matzenbach
Aquarell, 21cm x 30cm, 1993
Verantwortlich für den
Inhalt: Michael Seyl
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