Frieder Schneider 

Seitersstraße 40
66909 Herschweiler-Pettersheim


 
Surreale Traumwelt und Heimatlandschaft

Von Michael Seyl

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust", könnte Frieder Schneider mit Goethes Faust ausrufen. Der in Herschweiler-Pettersheim lebende Künstler ist hin- und hergerissen zwischen der Darstellung surrealer Traumwelten und heimatlicher Landschaften.
Frieder Schneider wurde im Jahre 1948 in Herschweiler-Pettersheim geboren. Nach einer Lehre als technischer Zeichner absolvierte er ein Studium der Ingenieurwissenschaften. Als Maler ist der Bauingenieur Autodidakt.
  Neben Ölbildern in altmeisterlicher Technik entstehen in erster Linie Aquarelle. Seine Werke sind gekennzeichnet durch einen ausgesprochenen Detailreichtum. Christoph Berndt schreibt dazu: "Der Betrachter mutmaßt, stellenweise sei gewiß eine Lupe nötig gewesen. Er beteuert jedoch, der dreifache Null-Pinsel mit etwa zehn Härchen und eine ruhige Linienführung seien ausreichend für die Sisyphusarbeit."
  Einerseits beschäftigt sich der Künstler mit Themen, die ihn innerlich berühren. So entstehen Traumbilder mit sehr persönlichen und vor allem zeitkritischen Bezügen. Als Beispiel läßt sich das Aquarell "Der Gestrige" anführen: Zu sehen ist ein Mann, der von der Zeit träumt, als die Mehrheit der Deutschen der Meinung war, sie müsse den Rest der Welt mit ihrem "Heil!" beglücken. In seinen Gedanken läßt "Der Gestrige" Panzer auffahren und Flugzeuggeschwader aufsteigen. Im Wind wehen die Reichs- und Hakenkreuzfahne.
  Mit Bildern wie diesen lenkt der wache Künstler den Blick auf besorgniserregende politische Entwicklungen. Gleiches gelingt ihm mit dem Werk "Skins - Dummheit statt Individualismus": Teile eines Puzzles fügen sich nach und nach zu einem Bild zusammen. Zu sehen sind drei "Skins", wovon einer "auf Hitler macht". Die Puzzlestücke stehen stellvertretend für rechtsradikale Tendenzen in unserer Gesellschaft, die sich in erschreckendem Maße zu einer Bewegung formieren. Das Bild birgt eine Hoffnung: Ein Puzzle läßt sich wieder zerlegen!
  In dem Tryptichon "Kausale Kette" beschäftigt sich Frieder Schneider mit der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt. Eine weitere Arbeit ist bezeichnenderweise mit "Mutter Natur am dürren Ast" betitelt.
  Im Gegensatz zu den bisher genannten Werken stehen Frieder Schneiders Landschaften. Hier ist sein Blick mehr nach außen gerichtet. Von einer Anhöhe vor Matzenbach hat er einen "Blick ins Glantal" festgehalten. Mit großer Liebe fürs Detail ist das Bild von der Blumenwiese im Vordergrund bis zum Potzbergturm im Hintergrund durchgearbeitet. Desweiteren finden sich Ortsansichten von Herschweiler-Pettersheim, Langenbach und Krottelbach oder etwa ein Bauernhof auf dem Sangerhof.
  Friedrich Schneider arbeitet parallel in beiden Stilrichtungen. Einerseits erscheint es ihm als Künstler wichtig, Zeitkritik zu üben, und andererseits möchte er auf die Schönheiten der Natur aufmerksam machen - solange es sie noch gibt...

Aus: "Bildende Kunst im Raum Kusel", Druckerei und Verlag Koch, Kusel 1994, S. 72f.
 
 

Blick auf Matzenbach
Aquarell, 21cm x 30cm, 1993

Verantwortlich für den Inhalt: Michael Seyl
 
 

zurück zur Künstlerübersicht