| Der
Künstler Wilfried Dahl
Von
Michael Seyl
Kunst und Religion sind seit Urzeiten miteinander
verbunden, wobei der Kunst in der Regel eine dienende Funktion zukommt.
Das Verhältnis war in unserem Kulturkreis besonders im Mittelalter
sehr eng. Damals waren es in erster Linie Mönche, die die hervorragendsten
Kunstwerke schufen. Auch heute versteht sich so manch ein Künstler
nicht selten als Mönch. Im Gegensatz dazu finden sich weit weniger
Theologen, die künstlerisch tätig sind. Eine Ausnahme ist Wilfried
Dahl aus Oberalben.
Der im Jahre 1944 in Solingen geborene
Wilfried Dahl ist in Bacharach am Rhein aufgewachsen. Nach einer Lehre
und Berufstätigkeit als Schreiner absolvierte er das Theologische
Seminar in Wuppertal. Danach arbeitete er als Dekanats-Jugendwart und als
Gemeindepfarrer in der Südpfalz und als Religionslehrer an der Berufsbildenden
Schule in Kusel. Seit Beginn dieses Jahres arbeitet er in einer Seelsorger-Stelle
am Klinikum in Homburg. Als Maler ist er Autodidakt. Frühe Einflüsse
hat er dabei durch seinen Vater erfahren. In Kusel ist er erstmals im Rahmen
der Ausstellung "Kusel - Stil- und LebensArt", die er 1988 mitinitiierte,
einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. In der Fußgängerzone
waren damals seine mahnenden "Zeitzeichen" zu sehen.
Als Theologe und Künstler möchte
Wilfried Dahl die Aussagen von Jesus Christus vermitteln. "Wenn man sie
mit den Gegebenheiten von heute konfrontiert", so Wilfried Dahl, "erweist
sich nach wie vor ihre große Gültigkeit." So hat er beispielsweise
die alttestamentliche Schöpfungsgeschichte in einer Aquarell-Serie
aufgegriffen. Die Bilder sind voller Symbolik und Anspielungen auf heutige
Zustände. Unterschwellig wird die Gefährdung der göttlichen
Schöpfung durch den Menschen angesprochen. "Handeln in Verantwortung"
könnte auch über den beiden Aquarellen "Infiltration" und "Filter",
die aufeinander bezogen sind, stehen. Im erstgenannten Bild ergiessen sich
ungute, giftige Flüssigkeiten in ein Gewässer. Die allmähliche
Vermischung wird durch einen Farbübergang von Blutrot über Violett
hin zu Schwefelgelb deutlich. Das Gegenstück, auf dem ein Ausschnitt
eines schilfbewachsenen Gewässers zu sehen ist, verweist auf die Reparaturleistung
der Natur, der es ohne Frage immer schwerer fällt, die Ausscheidungen
des menschlichen Wohlstandes zu verkraften. Am Schluß kann das stehen,
was der Künstler in dem bedrückenden Bild "Letzten Endes" zeigt:
kaputte Städte auf einem versandeten Planeten - das Leben scheint
nur noch in unterirdischen Katakomben möglich.
Aussagen dieser Art drängen sich
selten missionarisch auf. So fällt zum Beispiel bei dem Aquarell "Infiltration"
zuerst der scheinbar ungeordnete Aufbau ins Auge, der sich nach und nach
in eine bewußt komponierte Ordnung mit aufeinander bezogenen Achsen
auflösen läßt. Die Kompositionen von Wilfried Dahl entstehen
nicht frei und willkürlich. Er beachtet, "daß ein Farbenstrich
den andern beeinflußt, nach den bestimmten Gesetzen des Gegensatzes
und der gegenseitigen Ergänzung", wie es Henry van de Velde einmal
treffend formulierte. Im Pendant "Filter" wird so die Komposition durch
einen roten Punkt, der sich bei genauerer Betrachtung als Marienkäfer
darstellt, in der Balance gehalten.
Allein das Farbenspiel steht bei dem Aquarell
"Bougainvillea" im Vordergrund. Hier hat Wilfried Dahl während eines
Portugal-Aufenthaltes "erst im dritten Versuch" das leuchtende Rot dieses
mediterranen Wunderpflanzengewächses festgehalten. Das Bild ist eine
Hommage an das Leben und Ausdruck dessen, was "Letzten Endes" helfen kann:
Liebe, Glaube und Hoffnung.
Aus: "Bildende Kunst im
Raum Kusel", Druckerei und Verlag Koch, Kusel 1994, S. 18f. |